896 km – Christoph Strassers 24 h Weltrekord | Die Analyse.

Während die Radprofis der WorldTour Teams derzeit immer neue Stundenweltrekorde jagen, hat Christoph Strasser auf seinem Specialized Shiv  „kurzerhand“ mit einer unglaublichen Leistung einen neuen 24 h Weltrekord auf dem Tempelhofer Flugfeld in Berlin aufgestellt:

 

896 km!

 

Christoph hatte im Vorfeld errechnet, dass sein power2max Type S Leistungsmesser 24 Stunden lang eine Leistung von 270 Watt messen sollte, um sein Traumziel von 900 km zu erreichen.

Einige Tage nach seiner Rekordfahrt hat der Steirer power2max exklusiv seine gesamten Leistungsdaten zur Verfügung gestellt, um diese etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

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Die Fakten zu Christophs Leistung in Zahlen:

Christophs Gewicht: 78 kg // Christophs FTP: 380 Watt

Dauer des Rekordversuchs: 24 h (20.03.2014, 15:35 Uhr bis 21.03.2014, 15:35)

Länge der Runde: 11,8 km // Anzahl der gefahrenen Runden: 77

Ort: Flughafengelände Tempelhof in Berlin // Gesamtstrecke: 896 km

TSS nach 896 km: 1050

 

Durchschnittswerte pro gefahrene Runde:

Ø Trittfrequenz: 79,6 rpm // Ø Geschwindigkeit: 37,34 kmh

Ø Leistung: 250 Watt // Ø NP / Runde: 254 Watt

Ø Watt / kg Körpergewicht: 3,2 Watt // Ø Herzfrequenz: 137 bpm

 

Wie war Christophs Renneinteilung? Ist er gleichmäßig gefahren?

Gefühlt lief es für Christoph „recht gut“, wie er am folgenden Tag im Interview mit Bikeboard.at sagte:

Eigentlich wollte ich über den gesamten Zeitraum eine gleichmäßige Leistung abrufen. [...] Nach rund zwei Drittel konnte ich die geplanten Watt nicht mehr ganz halten, aber gegen Ende lief’s wieder recht gut.“

Die Zahlen sagen, dass es nicht nur „eigentlich recht gut“, sondern verdammt gut lief. Um die Gleichmäßigkeit von Christophs Rennen zu beurteilen, ziehen wir den sogenannten Variabilitätsindex (VI) heran. Dabei sollte der Quotient aus normalisierter Leistung = 254 Watt geteilt durch die durchschnittliche Leistung = 250 Watt im besten Fall = 1 sein. Der VI von Christophs Rekordfahrt liegt bei hervorragenden 1,01!

Fazit: Perfekte Renneinteilung!

 

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Wie verhielt sich die Herzfrequenz und hat Christoph auch seien Puls im Auge behalten?

Ja, irgendwie schon, aber „eigentlich habe ich nur auf die Watt geachtet und ein bisschen in den Körper hineingehört“, erzählte Christoph nach der Rekordfahrt.

Vom Race Across America wusste er schon, dass seine Herzfrequenz bei langer Belastung in den ersten Stunden stetig ansteigt, um danach wieder abzufallen. In seinen Leistungsdaten ist zu sehen, dass Christoph mit einer Herzfrequenz von 133 bpm startete, diese nach 4:18 Stunden auf 154 bpm angestiegen war und sich in den nächsten beiden Stunden um zwischen 147 und 150 bpm einpendelte. Nach 10:05 Stunden und der 35. Runde wurde der Herzschlag immer langsamer, obwohl Christoph zunächst seine getretene Leistung konstant halten konnte.

In der letzten Stunde konnte Christoph, das Ziel vor Augen, seine Kräfte noch einmal mobilisieren und eine normalisierte Leistung von fast 260 Watt fahren, sein Puls stieg jedoch nur mehr auf 135 bpm, kaum höher als beim Start des Rennens, an.

FAZIT: 1 Watt bleibt immer ein Watt, 1 bpm aber nicht ein bpm, weil der Puls eines jeden Athleten von der Länge, Intensität und äußeren Bedingungen der (Trainings-)Einheit beeinflusst wird.

 

HF_Strasser_Berlin


Wie haben sich die getretene Leistung und die Geschwindigkeit verhalten?

Schaut man sich das Verhältnis von Leistung und Geschwindigkeit an, fallen zwei Dinge auf:

  1. Nach ca. 8 Stunden verringert sich die Geschwindigkeit bei unwesentlich weniger Leistung. Dies kam durch zwei Dinge zustande: es wurde in der Nacht windiger und kälter, dass Christoph sich Armlinge, Beinlinge und ein anderes Trikot anziehen musst und sich so seine Aerodynamik veränderte. Außerdem wurde es für Christoph in der Dunkelheit schwieriger, die Ideallinie der Wendepunktstrecke zu treffen.
  2. In der letzten Stunde fährt Christoph zwar wieder an die 260 Watt, aber ca. 2 km/h langsamer als am Vortag bei gleicher Leistung. Warum? Es begann zu regnen und Christoph zog sich eine Regenjacke über, die mehr Leistung erforderte, ihn jedoch in der Geschwindigkeit bremste.

 

Geschwindigkeit_Strasser_Berlin

 

Nun noch einmal zur Ausgangsannahme zurück, dass Christoph einen 37er Schnitt mit 270 Watt im Durchschnitt fahren wollte, um 900 km zu erreichen.

Am Ende wurden es 896 km (fast 900 km) mit „nur“ 254 Watt normalisierter Leistung.

Wie kann das sein? Hat Christoph sich verrechnet?

Bestimmt nicht, denn wer dreimal das RAAM gewinnt und 24 Stunden so gleichmäßig fahren kann, kennt sich und sein Leistungsvermögen haargenau.

Also muss es etwas anderes gewesen sein: In diesem Fall die neuen Reifen, wie Christoph verraten hat. Er vertraute auf die Empfehlung von Wolfgang Arenz, Chefentwickler der Specialized Reifen, und fuhr den Rekord mit dem neuen S-Works Turbo Cotton Drahtreifen und konnte damit einige Watt einsparen.

„Sie rollen deutlich schneller als meine gewohnten Reifen und picken wie Sau“, so Christoph.

 

Zuletzt noch die Frage, wie kann „Mann“ so etwas schaffen? Superman…?

Nein, als Superman könnte Christoph fliegen…. Schauen wir uns an, wieviel Watt pro Kilogramm Körpergewicht Christoph bei seinem Rekord getreten hat:

250 Watt : 78 kg = 3,2 Watt /kg Körpergewicht

3,2 Watt / kg Körpergewicht sind für Christoph eine Belastung auf Level 2 (Watt-Bereich) bzw. im (Puls-)Bereich Grundlagenausdauer I-II, seine Durchschnittsleistung lag bei 66 % der FTP (380W).

Gut trainierte Amateur-Radfahrer werden diese 3,2 Watt schon selber während ihrer Trainingseinheiten oder bei Rennen getreten haben. Könnten sie Christoph schlagen? Vielleicht, aber eher nicht.

Warum?

Christophs besondere Stärke ist es, die Belastung im Grundlagenausdauerbereich II über einen enorm langen Zeitraum auszuhalten.

Wie hart eine Einheit oder ein Rennen war, wird in der modernen Trainingslehre mit dem Training Stress Score bewertet. Christoph erreichte nach 24 h einen TSS von 1050 Punkten, was ungefähr der Belastung von drei Bergetappen bei der Tour de France entspricht. Chris Froome fuhr zum Beispiel 2013 die legendäre Alp-D’Huez Etappe mit eine TSS von 341. (Quelle: Velonews)

Dies bedeutet aber nicht, dass Christoph mal eben die Tour gewinnen könnte, sondern, dass er neben seiner exzellenten Fitness die mentale Stärke hat, sich trotz hoher Belastung und Ermüdung immer wieder zu motivieren und gleichmäßig weiterzufahren.

Christoph Strasser, das war „sau-guat :-) “. Wir ziehen den Hut vor dir!

Christoph Strasser 24 h WR Triumpf

 

Wir nehmen mit, alles ist möglich, wenn man

✓ sein Ziel fokussiert,

✓ seine getretene Leistung kontrolliert

✓ und dabei in seinen Körper hineinhört.

 

Und auch für „alte Füchse“ und erfahrene Radfahrer können Materialveränderungen hin und wieder Überraschungen mit einer deutlichen Effizienzsteigerung bringen.

Wer nun persönliche Fragen an Christoph hat, der sollte seine Vorträge nicht verpassen: Termine findet ihr hier.

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